5. Mose
Einleitung
Einleitung

Der Verfasser dieses Buches ist Mose. Das wird durch verschiedene Stellen im Neuen Testament durch Gebrauch von Zitaten aus dem 5. Buch Mose deutlich (Mt 22,2424und sprachen: Lehrer, Mose hat gesagt: Wenn jemand stirbt und keine Kinder hat, soll sein Bruder seine Frau heiraten und soll seinem Bruder Nachkommen erwecken.; Apg 3,2222Mose hat schon gesagt: „Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir; auf ihn sollt ihr hören in allem, was irgend er zu euch reden mag.; Heb 12,2121Und so furchtbar war die Erscheinung, dass Mose sagte: „Ich bin voll Furcht und Zittern.“),). Mose hat das Buch kurz vor seinem Tod geschrieben (5Mo 31,2424Und es geschah, als Mose vollendet hatte, die Worte dieses Gesetzes in ein Buch zu schreiben bis zu ihrem Schluss,). Das letzte Kapitel, das von Moses Tod berichtet, ist vermutlich von Josua geschrieben worden.

Das Buch beschreibt die besondere Situation, in der das Volk sich befindet. Einerseits hat es die Wüstenreise hinter sich, andererseits ist es kurz davor, das in Besitz zu nehmen, was Gott den Erzvätern versprochen hatte. Gottes Ziel ist es, das Volk auf die Eroberung und Inbesitznahme des Landes vorzubereiten.

Das Buch hat einen besonderen Charakter. Die Namen der fünf Bücher Mose sind durch Übersetzer des Alten Testaments aus dem Hebräischen ins Griechische entstanden. Diese haben jedem Buch einen Griechischen Namen gegeben. „Deuteronomium” heißt so viel wie „zweites Gesetz”, im Sinne einer Wiederholung. Tatsächlich ist das Buch aber keine Wiederholung. Viele Themen, die in den vorangegangenen Büchern aufgeführt wurden, kehren zwar zurück, aber sie werden in 5. Mose mit einem speziellen Ziel vorgestellt, das die anderen Bücher nicht haben.

Im 5. Buch Mose wird etwas Neues hinzugefügt. Das Volk hat viele Erfahrungen in der Wüste gemacht, es hat erfahren, was in seinem Herzen ist. In den vierzig Jahren, die sie in der Wüste verbracht haben, haben sie nichts gelernt, nichts über sich selbst und nichts über Gott, der sie getragen und versorgt hat. In einigen Ansprachen stellt Mose in diesem Buch jene Erfahrungen vor, sowohl mit sich selbst als auch mit Gott und er stellt dem Volk die Zukunft vor.

Bevor sie den Jordan überqueren, ruft Mose sie mit diesem langen Buch zur Besinnung auf. Er stellt ihnen den Segen, aber auch den Fluch vor. Sie hatten Gottes Gnade erfahren, was würden sie damit tun? Die drängende Frage, die allmählich auf das Volk zukommt, ist diese: Habt ihr vor, Gott zu dienen oder wollt ihr euren eigenen Weg gehen?

Es ist tragisch, dass von Anfang an deutlich wird, dass sie aus der Vergangenheit nichts gelernt haben und auch in Zukunft verderbt handeln werden. Das zeigen 5. Mose 28 und 29 auf. Allerdings gibt es einen Wendepunkt in 5. Mose 29,28, wo wir über „das Verborgene“ lesen. „Das Offenbarte“, von dem in dem Vers auch die Rede ist, wird in den vorangegangenen Kapiteln angesprochen. In diesen wird der Gehorsam als der sichere Weg zum Segen und Ungehorsam als der sichere Weg ins Verderben vorgestellt. Aber in „dem Verborgenen“ sehen wir, was Gott vorsieht, wenn das Volk es verdorben hat. Wenn Gott sie wegen ihrer Untreue unter die Völker zerstreut hat, wird Er sie zur Buße führen. Obwohl das Volk sich nicht für Ihn interessiert, möchte Gott etwas mit ihnen zu tun haben. Das ist heute noch immer Zukunft.

Im Alten Testament haben wir es mit typologischen Vorbildern zu tun, mit denen Gott bestimmte Wahrheiten aus dem Neuen Testament darstellt. Zu diesem Zweck ist die ganze Geschichte Israels aufgeschrieben (1Kor 10,6.116Diese Dinge aber sind als Vorbilder für uns geschehen, damit wir nicht nach bösen Dingen begehren, wie auch jene begehrten.11Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.). Genesis (1. Mose), die erste Hälfte von Exodus (2. Mose) und Numeri (4. Mose) umfassen viele Ereignisse. Die zweite Hälfte von Exodus und das Buch Levitikus (3. Mose) beinhalten Gebote. Die Gebote geben an, wie das Volk in Verbindung mit Gott sein kann und mit Ihm Gemeinschaft haben kann. Das ist auf dem Fundament des Opfers möglich, das in den Geboten auch das zentrale Thema einnimmt. Auch die Gebote haben in erster Linie Bedeutung für uns, denn Israel hat sich in der Praxis nie an die Gebote gehalten (vgl. Amos 5,25.2625Habt ihr mir vierzig Jahre in der Wüste Schlachtopfer und Speisopfer dargebracht, Haus Israel?26Ja, ihr habt den Sikkut, euren König, und den Kijun, eure Götzenbilder, getragen, das Sternbild eures Gottes, die ihr euch gemacht hattet.). Im Brief an die Hebräer wird die Bedeutung für uns genannt: Es sind Abbilder der Dinge, die in den Himmeln sind (Heb 9,2323Es war nun nötig, dass die Abbilder der Dinge in den Himmeln hierdurch gereinigt wurden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese.).

In diesem Buch sehen wir auch auf den Zustand, in dem wir waren, und was Gott für uns war. Wir lernen, wie die Segnungen, die jetzt schon unser Teil sind, Realität für uns werden können. Der Himmel ist schon in uns. Die Frage, die sich für Israel stellt, stellt sich ebenso für uns: Was ist uns unser Erbteil wert? Der kürzeste Weg von Ägypten ins gelobte Land dauert elf Tage (5Mo 1,22Elf Tagereisen sind es vom Horeb, auf dem Weg des Gebirges Seir, bis Kades-Barnea.). Aber genau wie Israel brauchen wir viel Zeit, um zu lernen, wer wir selbst sind und wer Gott ist. Wenn wir das einigermaßen gelernt haben durch die manchmal harten und anhaltenden Erfahrungen im Alltag, können wir unser Herz auf das vor uns liegende Land ausrichten, wo der Herr Jesus ist.

Das ganze Buch spielt sich in den Ebenen Moabs am Jordan ab (4Mo 36,1313Das sind die Gebote und die Rechte, die der HERR in den Ebenen Moabs, am Jordan von Jericho, den Kindern Israel durch Mose geboten hat.; 5Mo 1,11Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel geredet hat diesseits des Jordan, in der Wüste, in der Ebene, Suph gegenüber, zwischen Paran und Tophel und Laban und Hazerot und Di-Sahab.). Um die Bedeutung des Buches für uns kennenzulernen, müssen wir begreifen, welche geistliche Bedeutung die Ebenen Moabs für uns haben. Wir können in den Briefen von Paulus etwas davon lernen. Im Brief an die Römer erklärt er, wie jemand aus der Welt (Ägypten) erlöst wird. Er schreibt in Kapitel 6 über die Taufe als den Übergang zu einem neuen Leben ((Röm 6,44So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, so wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.). Wir sehen das bildlich im Durchzug durch das Rote Meer (1Kor 10,1.21Denn ich will nicht, dass ihr darüber unwissend seid, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren und alle durch das Meer hindurchgegangen sind2und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und in dem Meer).

Der getaufte Gläubige gehört nicht mehr zur Welt. Die Welt ist für ihn zu einer Wüste geworden, in der er – wie das Volk Israel – Erfahrungen macht, sowohl mit sich selbst als auch mit Gott. In dem Maße, in dem er mehr lebt durch Glauben an den Sohn Gottes und weniger gelebt wird durch die Umstände, nähert er sich vor dem Einzug in das Land sozusagen den Ebenen von Moab. Es gibt geistliches Wachstum, wenn der Heilige Geist die Gelegenheit bekommt, das Herz des Christen immer mehr auf Christus zu richten.

Jemand ist, geistlich gesehen, in den Ebenen von Moab angekommen, wenn sein Herz voll ist von Christus. Das können wir im Brief an die Philipper erkennen. Dort hören wir jemanden sagen, nicht wie ein Dogma, sondern durch eigene Erfahrung: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt“ (Phil 4,1313Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.). Wie kommt es, dass wir jedes Mal durch Hunger und Gefahr durchgeschüttelt werden? Weil wir, geistlich gesprochen, noch nicht in den Ebenen von Moab angelangt sind. Jemand, den die Gefahren und Probleme der Wüste nicht mehr beeindrucken, ist in diesen Ebenen von Moab angekommen. Er sieht auf die Erfahrungen in der Wüste zurück als auf eine Zeit, in der er die Güte des Herrn erleben durfte. Ein persönliches Beispiel ist Paulus im Brief an die Philipper. Paulus ist dort erfüllt von der himmlischen Berufung (Phil 3,13b.1413Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eins aber tue ich: Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist,14jage ich, das Ziel anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.).

Das fünfte Buch Mose ist die alttestamentliche Parallele zum Brief an die Philipper. Die Herzen werden im fünften Buch Mose für das Land erwärmt. Im Brief an die Philipper werden die Herzen durch den Heiligen Geist, der durch Paulus spricht, für den Himmel erwärmt. Im fünften Buch Mose übernimmt Mose diese Aufgabe. Hier ist Mose ein Bild des Herrn Jesus als derjenige, der die Wüstenreise erlebt hat. Er kennt alle Umstände, Er ist uns vorangegangen, wir dürfen in seine Fußstapfen treten. Dieser Lehrer ist vollkommen. In Philipper 2 sehen wir ihn als den wahren Mose, geprüft in der Wüste, in der seine Gesinnung und sein Gehorsam deutlich werden. In Philipper 3 wird unser Auge auf den Herrn Jesus in der Herrlichkeit gerichtet, um Ihn zu erkennen, dem wir alle Segnungen verdanken. 

Auch im buchstäblichen Sinn war der Herr in der Wüste. Er brachte dort vierzig Tage zu, während er vom Teufel versucht wurde (Mt 4,1–101Dann wurde Jesus von dem Geist in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden;2und als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn schließlich.3Und der Versucher trat zu ihm hin und sprach: Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine zu Broten werden.4Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.“5Dann nimmt der Teufel ihn mit in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels6und spricht zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, und sie werden dich auf Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest.“7Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“8Wiederum nimmt der Teufel ihn mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit9und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.10Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“). Jede Versuchung beantwortet Er mit einem Zitat aus diesem Buch (5Mo 8,33Und er demütigte dich und ließ dich hungern; und er speiste dich mit dem Man, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht. in Mt 4,44Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.“; 5Mo 6,1616Ihr sollt den HERRN, euren Gott, nicht versuchen, wie ihr ihn bei Massa versucht habt. in Mt 4,77Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“; 5Mo 6,1313Den HERRN, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören. in Mt 4,1010Da spricht Jesus zu ihm: Geh hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“). Wie wir sehen, stammen die Zitate aus dem ersten Teil des Buches, in dem ein Rückblick auf die Wüstenreise gegeben wird.

Wenn wir dieses Buch lesen und auf uns wirken lassen, werden wir in jedem Teil der Geschichte Israels uns selbst erkennen. Jedes Mal wird eine andere Perspektive gewählt. Das Volk ist ein völlig neues Volk, denn das alte Geschlecht – bestehend aus allen, die zwanzig Jahre und älter waren – ist in der Wüste umgekommen, mit Ausnahme von Josua und Kaleb. An sie richtet Mose seine Reden in diesem Buch. Diese neue Generation hat es nötig, von der Geschichte des Volkes zu hören und zu wissen, was passiert ist, damit sie etwas daraus lernen können.

Das Buch bietet uns praktische und geistliche Lektionen, die sich mit dem Thema des Erbteils beschäftigen. Wir sehen ein Volk, das auf das vor ihm liegende Erbteil vorbereitet wird und kurz davor ist, es in Besitz zu nehmen. Es ist das Land, auf das Gott mit Freude schaut. Mose weiß, wovon er spricht, als er ihre Herzen für das Land erwärmen will. Er gibt in den ersten Kapiteln einen historischen Rückblick auf die Weise, in der das Volk schon mit dem verheißenen Land zu tun hatte. Sie haben “das kostbare Land” (Ps 106,2424Und sie verschmähten das kostbare Land, glaubten nicht seinem Wort;
) verschmäht. Dann kommt eine neue Generation und ein Überrest, vorgestellt in Kaleb, die das Land in Besitz nehmen dürfen.

Für uns Christen ist das Land Kanaan ein Bild von den himmlischen Örtern. Darin sind wir „gesegnet … mit jeder geistlichen Segnung … in Christus“ (Eph 1,33Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus,). Der Herr Jesus, unser wahrer Mose, will unsere Herzen darauf richten. Wenn eine echte Gemeinschaft mit Gott vorhanden ist, wird sich das zeigen in dem Interesse, das wir für die Dinge zeigen, die Gott wichtig sind. Gottes Herz ist voll von Christus und von allem, was dieser getan hat.

Das fünfte Buch Mose ist wie folgt einzuteilen:
1. Erste große Rede Moses – Rückblick auf die Wüstenreise (5. Mose 1,1–4,43).
2. Zweite große Rede Moses (5. Mose 4,44–26,19),
die in drei Teile unterteilt werden kann:
   a. Die Geschehnisse am Horeb (5. Mose 4,44–5,33).
   b. Gebote und Satzungen, Gehorsam als Bedingung für das Genießen des Segens des Landes (5. Mose 6,1–11,32).
   c. Satzungen für das Leben im Land, rund um den Ort, den der HERR ausgesucht hat, um seinen Namen dort wohnen zu lassen (5. Mose 12,1–26,19).
3. dritte und vierte Rede Moses, sein Lied und der Bericht von seinem Tod (5. Mose 27,1–34,12),
unterteilt in folgende Abschnitte:
   a. Dritte Rede – Segen und Fluch (5. Mose 27,1–28,68).
   b. Vierte Rede, Erneuerung des Bundes, Buße und Erlösung, das Volk wird vor eine Entscheidung gestellt (5. Mose 28,69–30,20).
   c. Mose bestimmt Josua als seinen Nachfolger (5. Mose 31,1–8).
   d. Alle sieben Jahre muss das Gesetz dem ganzen Volk vorgelesen werden (5. Mose 31,9–13).
   e. Moses Lied und sein Segen (5. Mose 32,1–33,29).
   f. Moses Tod (5. Mose 34,1–12).


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